Teppichreparatur

Die Hauptschäden, die sich bei orientalischen Knüpfteppichen nach längerer Benützung zeigen, sind:Beschädigte Längsränder. Abreißen der Fransen, ausgefranste Querseiten. Abgerissene Ecken. Abnützung der Knoten, Abgetretensein, Brennschäden. Mottenfraßstellen und Löcher im Untergewebe. Wellen (Hauben) und, wenn diese niedergetreten sind, Büge und abgetretene Falten. Morsche Stellen im Untergewebe. Einrollen der Längsränder.Diese Schäden lassen sich durch eine Teppichreinigung oder Teppichwäsche nicht beheben sondern stellen eine Teppichreparatur dar.Die Teppichreparatur erfordert sehr große Genauigkeit, ist eine sehr harte und ermüdende Beschäftigung und setzt sehr viel Übung voraus.Ist nur die Verkleidung der Randkettfäden an manchen Stellen abgenützt und abgefallen, so wird sie durch Überwickeln mit enstprechend gefärbten Wollfäden wieder nachgebessert. Sind aber auch die Randkettfäden selbst zerrissen, so ist die Reparatur schwieriger. Diese müssen durch starke Bindfaden, die entlang der Kante gespannt werden, ersetzt und dann alles wieder mit passenden Wollfäden umwickelt werden.Abgerissene Fransen können leicht ergänzt werden, indem in den Florknotenrand, ein paar Knotenreihen weit verankert, ähnlich Ersatzfransen einziehen. Man würde diese dadurch sprengen. Sollen daher an einer Webborte Fransen ersetzt werden, so muß die ganze Webborte bis zu den Knotenreihen durch Herausnehmen des Schußes entfernt werden, die Fransen dann in den Florknotenrand eingezogen und eine neue Webborte durch Abnähen der Ränder zu begegnen, wobei jeder zweite Kettfaden der Webborte beim Nähen mit feinem Zwirn durchstochen wird (Stielstich). Es ist sehr ratsam, die Webborte vor der angeführten Abnäharbeit zuerst durch Herausnehmen aller Schüsse bis zum gesunden Gewebe gleichmäßig breit zu gestalten. Dasselbe gilt, wenn die Beschädigung schon so weit geht, daß die Knoten selbst herauszufallen beginnen. Auch dann werden am besten ein paar schon angegriffene Reihen geopfert und das noch Gesunde durch Abnähen vor dem weiteren Herausgleiten bewahrt. Das etwaige Fehlen von ein paar Knotenreihen fällt in der Regel gar nicht auf.Das Ergänzen einer ganzen Ecke ist schon eine langwierige Arbeit. Es muß der ganze, noch gesunde Teil dieser Ecke auf einen Holzrahmen genagelt werden. Ein neuer Randfaden für die Längsseite und ein neuer unterster Schußfaden für die Webborte werden entlang den alten Rändern gespannt, die dann durch Einarbeiten eines neuen Untergewebes mit dem alten Gewebe verbunden werden.Abgenützte oder abgetretene Stellen werden, wenn das Untergewebe noch gesund ist, mit der Nadel in den entsprechenden Farben und Zeichnungen mit den Originalknoten neu vollgeknüpft, nachdem die Reste der alten Knoten gänzlich mit der Nadel herausgezogen worden sind. Der eingeknüpfte Flor von der schon abgetretenen Umgebung zu stark abstechen, so zieht man die neuen Knoten am besten beim Einknüpfen als Flachstiche ganz fest nieder.Es möge hier nicht unerwähnt bleiben, daß im Orient die Händler gewisse Farbstellen, die zu grell aus dem Bild herausleuchten, durch Überwischen mit brauner Erdfarbe brechen oder nachdunkeln. Dadurch mildern sie die unangenehme Schärfe der Farben und bewirken, daß der sonst schwer verkäufliche Teppich doch einen Abnehmer findet.Sind Mottenfraßstellen, die gewöhnlich in großer Anzahl über den ganzen Teppich hin verstreut sind und erst beim Überbürsten und Reinigen sichtbar werden, nicht zu tief gehend, so daß das Untergewebe noch gesund ist, dann werden sie einfach mit entsprechen gefärbter Wolle nachgeknüpft. Ist aber auch das Untergewebe verletzt, wie das oft der Fall ist, so muß diese zuerst ergänzt werden. Man benützt als Material dazu am besten ungebleichten festen Leinenzwirn. Hat man das Loch durch Abschneiden aller abgerissenen Wollteile an allen Seiten gereinigt, so wird vor allem die Kette wieder neu nachgezogen. Einige Knoten vor der beschädigten Stelle wird der neue Kettfaden mittels einer Nadel ins Gewebe eingeführt. In dessen Innern wird er entlang dem alten Faden über das Loch hinweg und gegenüber in das noch gesunde Gewebe eingezogen. Dort wird er auf den nächsten Kettfaden gestochen und in gleicher Weise entlang diesem über das Loch zurückgeführt usw. Ist das Kettengewebe wieder hergestellt, so wird nun der zerrissene Schuß auf ähnliche Art im Randgewebe verankert. Ist das Grundgewebe erneuert, dann wird die fehlende Zeichnung mit passenden Farben eingeknüpft. Das Einziehen der Kette und des Schusses soll natürlich genau in der Art un Spannung des Originalgewebes erfolgen, es darf weder einen Faden zuvielen noch einen zuwenig aufweisen, soll die Zeichnung wieder schön verlaufen. Sind die zu reparierende Löcher sehr groß, so spannt man den Teppich, mit dem Loch in der Mitte, am besten mit Nägel auf einen Holzrahmen, um bequemer zu arbeiten und die spannung genau einhalten zu können.Wellen (Hauben) werden gespannt. Büge und Falten, die im Laufe der Benützung aus solchen Wellen beim Niedertreten entstehen, können recht gut verbessert werden, indem man parallel dem alten Kettfaden, beziehungsweise dem alten Schuß, festen Leinenzwirn mit der Nadel in das Gewebe eingeführt, wodurch man dieses leicht etwas zusammenziehen un die Falte dadurch zum Verschwinden bringen kann. An der Oberfläche ist dies gar nicht sichtbar. Sind die Falten aber sehr groß, so nützt dieses Untenähen nichts. Es muß dann ein Zwichek des Teppichs herausgeschnitten werden. Die beiden Unterränder werden durch Einziehen einer neuen Kette (nicht Schuß!), die man einige Knoten weit im gesunden Gewebe befestigt, ähnlich wie bei der Wiederherstellung des durchlöchert Gewebes, ausgebessert.Quelle: Julius Orendi „Das Gesammtwissen über antike und neue Teppiche des Orients“ (S. 268-270)